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18 Künstler intervenieren über acht Monate hinweg in der Tageszeitung «Die Südostschweiz». Das Resultat: 188 Gramm Kunst auf 48 Seiten. Die Schlussedition des Projekts «Ortung.» zeigt alle Interventionen im medialen Raum von Mai bis Dezember 2014 und ist zum Preis von CHF 10.– jetzt bestellbar. Gleich hier.

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Isabelle Krieg, «Brotschau», 2014, © ProLitteris Zurich 2014 Alle Urheberrechte bleiben vorbehalten. Sämtliche Reproduktionen sowie jegliche andere Nutzungen ohne Genehmigung – mit Ausnahme des individuellen und privaten Abrufens der Werke - ist verboten.Isabelle Krieg, «Brotschau», 2014, © 2015, ProLitteris, Zurich

Künstlerische Ortungen in Chur

Mai bis Dezember 2014

Kunst im Schaufenster, auf der Plakatwand und in der Tageszeitung: Mit mehrmonatigen Interventionsprojekten lotet der Verein Art-Public Chur ab Mai 2014 die Beziehungen zwischen Ort, Kunst und Mensch im öffentlichen Raum aus.

Werden zur Ortung von Objekten normalerweise Tonsignale, Radar oder Laser verwendet, lassen sich in Chur räumliche Situationen bald auch sensitiv anpeilen und reflektiv ausloten: 18 Künstlerinnen und Künstler erarbeiten derzeit zum Thema «Ortung.» Interventionen und Ausstellungen, die ab kommendem Mai bis Dezember den städtischen Raum von Chur neu erlebbar machen.

Geplant sind verschiedene temporäre Ausstellungen in Schau-(Fenstern) und Vitrinen in der Churer Altstadt sowie die künstlerische Nutzung von Plakatwänden auf dem ganzen Stadtgebiet. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Situation am Kettweg zu, dem Verbindungsweg von Unterer Plessurstrasse und Sägenstrasse: Hier bilden 24, seit Jahren nicht mehr genutzte Plakatwände den Hintergrund für temporäre, im besten Sinne «plakative» Ausstellungen. Reflektiert und erweitert werden zudem alle Projekte durch künstlerische Interventionen in der Tageszeitung «Die Südostschweiz». Die in einem zweiwöchigem Abstand erscheinenden, von Künstlern frei gestalteten Zeitungsseiten werden zum Projektende als Sammelband publiziert.

 

Vom Park in die Stadt hinaus

Hinter dem mehrteiligen Kunstprojekt «Ortung.» steht der Verein Art-Public Chur, der im Jahr 2012 bereits die Ausstellung «Säen, ernten, glücklich sein» im Churer Fontanapark organisiert hatte. Thematisierten damals Künstler wie Ursula Palla, Roman Signer oder Not Vital den Park als künstlich und künstlerisch gestalteten Naturraum, steht beim Projekt «Ortung.» die Wahrnehmung des gesamten städtischen Raumes zur Debatte. Die Interventionen thematisieren die Grenzen zwischen öffentlichem, privatem und wirtschaftlich genutztem Raum, zugleich verleihen sie wenig beachteten oder selten frequentierten Orten eine neue Präsenz. Am Projekt beteiligt sind die Kunstschaffenden Judith Albert, Remo Albert Alig, Ian Anüll, Gabriela Gerber & Lukas Bardill, Michael Günzburger, Isabelle Krieg, Zilla Leutenegger, Ursula Palla, Silvano Repetto, Ines Marita Schärer, Sandra Senn, Barbara Signer, Gaudenz Signorell, Jules Spinatsch, Erik Steinbrecher, Lydia Wilhelm und Angela Wüst, die künstlerische Leitung hat Luciano Fasciati inne.

 

Einbezug der Öffentlichkeit

Eine wichtige Rolle bei den Interventionen kommt auch der Öffentlichkeit zu. Die Künstler schaffen zwar an spezifischen Orten neue Werke, die «Ortung.» selbst ist aber ein aktives Verfahren, welches die Einwohner Chur, Gäste, Passanten und Kunstinteressierte selbst zu Akteuren macht. Ausgehend von der bewussten Anpeilung oder der zufälligen Konfrontation mit Kunst werden die Betrachter die intellektuellen und emotionalen Relationen der Kunst entscheidend mitprägen. Ob daraus Irritationen, Herausforderungen oder Glücksmomente resultieren, das hängt somit nicht nur von der Intervention selbst ab, sondern auch von der Wahrnehmung und der Bereitschaft der beobachtenden Person, sich auf die Kunst und die Situation einzulassen.

Die Interventionen bieten die Möglichkeit, sich im alltäglichem Umfeld und ausserhalb eines musealen Rahmens mit hochstehender zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen.

Zur Vertiefung der individuellen Erfahrungen bietet der Verein Art-Public Chur Führungen und ein Rahmenprogramm mit Podiumsdiskussionen und Künstlergesprächen an. Mit einem kunstpädagogischen Programm werden zudem Kinder, Schulklassen und Familien angesprochen werden.

 

Schaukästen als Gedankengeneratoren

Die Ausgangslage für die Schaukasten-Ausstellung bilden spezielle Situationen im städtischen Raum, hauptsächlich im engen Gefüge der Altstadt, wo sich historische und aktuelle Nutzungszwecke mitunter mehrfach überlagern. In gut zweimonatigen Phasen werden hier (Schau-)Fenster sowie Vitrinen zu frei einsehbaren Laborräumen der Kunst und zu eigentlichen Reflexionsgeneratoren für den öffentlichen Raum. Mit der Ortung der Schaukästen und Kunstprojekte lassen sich  auch die Beziehungen zwischen architektonischer Situation, gewerblicher Schaufensterauslage, künstlerischer Intervention und der eigenen Position ausloten.

 

Plakatwände als Kunstträger

Zeitgleich bilden am Kettweg 24 Plakatwände eine 24 Stunden begehbare Kunstpassage. Diese wird über die Projektdauer hinweg viermal neu bespielt. Die Plakatwände werden so zu Kunstträgern, welche das gewohnte Bild dieser Wohn- und Strassensituation immer wieder verändern. Sporadisch werden auch weitere Plakatstellen auf dem gesamten Stadtgebiet zu Kunstträgern. Damit soll letztlich der gesamte öffentliche Raum zu einer Plattform werden für Diskussionen über zeitgenössische Kunst.

 

Zeitungsseiten als Kunstwerke

Eine weitere Form von Öffentlichkeit soll die Kunst in der Tageszeitung «Die Südostschweiz» erfahren. Auf frei gestalteten Seiten soll hier das gesamte Projekt in gut zweiwöchentlichen Abständen von verschiedenen Künstlern um neue Aspekte bereichert werden. Im Vordergrund steht dabei nicht eine journalistisch geprägte Projektdokumentation, sondern eine eigenständige Auseinandersetzung mit dem Projekt, der Kunst an sich sowie der Zeitung als künstlerisches Material und als geschichtsträchtiges Medium der Aufklärung und Manipulation. Am Ende des Projektes werden die einzelnen Seite als eigenständige Zeitung publiziert werden.

 

Diskurs mit Kontinuität

Wie alle künstlerischen Interventionen weist auch das Projekt «Ortung.» einen zeitlich befristeten Charakter auf. Damit verbunden ist aber keineswegs eine Zufälligkeit oder Beliebigkeit. Das Projekt «Ortung.» führt eine mittlerweile schon ansehnliche Reihe von Kunstprojekten im öffentlichen und halböffentlichen Raum von Chur weiter, und verleiht damit dem öffentlichen Kunstdiskurs weitere Kontinuität. Als Beispiele unter anderem die Projekte von «transit.graubünden» und «chur_interveniert», die im letzten Jahrzehnt im städtischen Raum verschiedene künstlerische Akzente gesetzt haben. Mit dem Projekt «Ortung.» wird die Kunst nun definitiv im Alltag verortet – um diesen vom Mai bis Dezember auf vielfältige Weise zu bereichern.

 

Künstlerische Leitung

Seit 1991 realisiert Luciano Fasciati (*1960) in der gleichnamigen Galerie in Chur Ausstellungen und Projekte zur Gegenwartskunst. Editionsprojekte und spezifische Kunstveranstaltungen ergänzen das Programm.

  • 2010 bis 2013 kuratierte er das Kunstereignis «Arte Hotel Bregaglia» in Promontogno.
  • Von 2000 – 2003 leitete er gemeinsam mit Armon Fontana «Das Gelbe Haus» in Flims, wo sechs Ausstellungen zu den Bereichen Kunst, Medien, Architektur, Design und Alltagskultur realisiert wurden.
  • 2012 kuratierte er gemeinsam mit Nicole Rampa für den Verein ART-PUBLIC Chur die Ausstellung «Säen, ernten glücklich sein» im Fontanapark in Chur.
  • Im Jahr 2013 realisierten Luciano Fasciati (künstlerische Leitung) und Céline Gaillard (Kuratorin) für den Verein Progetti d’arte in Val Bregaglia das Projekt «Video Arte Palazzo Castelmur» in Coltura bei Stampa.

Luciano Fasciati ist es ein Anliegen, mittels ambitionierter Ausstellungstätigkeit zu zeigen, dass Gegenwartskunst nicht nur in städtischen Zentren und Kunstinstitutionen zu Hause ist. Sein Interesse gilt künstlerischen Positionen, die sich mit Zeitfragen auseinandersetzen, wobei sein Fokus auf dem zeitgenössischen Kunstschaffen der Schweiz liegt.